Was ist ein Digital Product Passport?

Der Digital Product Passport (DPP) ist ein digitaler Datensatz, der alle relevanten Informationen zu einem Produkt über dessen gesamten Lebenszyklus hinweg bündelt – von Materialien und Herstellung über Nutzung und Reparatur bis hin zu Recycling und Entsorgung. Im Rahmen der Ecodesign for Sustainable Products Regulation wird der DPP schrittweise für viele Produktgruppen in der EU verpflichtend eingeführt.

Welche Produktdaten werden für den Digital Product Passport benötigt?

Die konkreten Anforderungen hängen von der jeweiligen Produktkategorie ab. Typische Daten umfassen:

  • Produktidentifikation (GTIN, Seriennummer, Modell)
  • Hersteller- und Lieferanteninformationen
  • Materialzusammensetzung
  • Informationen zu gefährlichen Stoffen
  • CO₂-Fußabdruck / Umweltkennzahlen
  • Reparatur- und Wartungsinformationen
  • Demontage- und Recyclinghinweise
  • Konformitäts- und Zertifizierungsnachweise

Ziel ist es, Transparenz, Nachhaltigkeit und Kreislaufwirtschaft zu fördern sowie gesetzliche Anforderungen effizient zu erfüllen.

Die Regelung gilt in allen 27 EU-Mitgliedstaaten. Sonderregelungen gibt es zum jetzigen Stand nicht für andere Länder, es sei denn, diese übernehmen ähnliche Anforderungen national oder über Handelsabkommen. Importeure und Händler außerhalb der EU, die Waren in die EU bringen oder dort vertreiben wollen, müssen ebenfalls sicherstellen, dass die Produkte einen gültigen Digital Product Passport bekommen. 

Wichtige Aspekte zur Compliance

  • Die detaillierten Anforderungen (welche Daten, Struktur, Formate) werden in delegierten Rechtsakten der EU-Kommission festgelegt. 
  • Nach Veröffentlichung eines delegierten Rechtsakts erhalten Unternehmen meist eine Übergangsfrist (z. B. 12–18 Monate), innerhalb derer sie DPP-Daten implementieren müssen.
  • Bei Nicht-Erfüllung drohen Marktzugangsbeschränkungen oder Sanktionen, z. B. bei Zollprozessen oder bei Marktüberprüfungen.

Welche Herausforderungen gibt es bei der Einführung eines Digital Product Passport ?

  • Unvollständige Lieferantendaten
  • Fehlende Standardisierung
  • Hoher Abstimmungsaufwand entlang der Wertschöpfungskette
  • Integration in bestehende IT-Systeme

Mit einer klaren Datenstrategie und strukturierten Prozessen lassen sich diese Herausforderungen jedoch nachhaltig bewältigen.

Wie bereitet man Produktdaten für den digitalen Produktpass vor?

Die Vorbereitung Ihrer Produktdaten ist der entscheidende Schritt für eine erfolgreiche DPP-Implementierung. Folgende Vorgehensweise hat sich bewährt:

1. Dateninventur durchführen

  • Erfassen Sie alle bestehenden produktbezogenen Datenquellen (ERP, PLM, PIM, Excel-Dateien, Lieferantendatenbanken).
  • Identifizieren Sie Datenlücken im Hinblick auf regulatorische Anforderungen.

2. Datenqualität sicherstellen

  • Prüfen Sie Vollständigkeit, Konsistenz und Aktualität der Informationen.
  • Standardisieren Sie Datenformate (z. B. Einheiten, Materialbezeichnungen).
  • Vermeiden Sie doppelte oder widersprüchliche Datensätze.

3. Lieferkette einbinden

  • Definieren Sie klare Anforderungen an Ihre Lieferanten.
  • Implementieren Sie standardisierte Datenaustauschformate.
  • Stellen Sie sicher, dass Nachhaltigkeits- und Materialdaten verifizierbar sind.

4. Daten strukturieren und standardisieren

  • Nutzen Sie etablierte Klassifikations- und Identifikationssysteme.
  • Ordnen Sie Produktinformationen entlang des gesamten Lebenszyklus.
  • Bereiten Sie maschinenlesbare Formate vor (z. B. JSON, XML).

5. Governance und Verantwortlichkeiten festlegen

  • Bestimmen Sie Datenverantwortliche.
  • Definieren Sie Prozesse zur kontinuierlichen Aktualisierung.
  • Integrieren Sie DPP-Prozesse in bestehende Compliance-Workflows.

6. Technische Infrastruktur prüfen

  • Evaluieren Sie, ob bestehende Systeme DPP-Anforderungen erfüllen.
  • Planen Sie Schnittstellen für Datenaustausch und QR-/Datenträgerintegration.
  • Berücksichtigen Sie IT-Sicherheit und Datenschutz.

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